Polyneuropathie nach Chemo: Was Akupunktur und TCM bei tauben, kribbelnden Füßen leisten können
- KMD Yun

- vor 5 Stunden
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"Der Krebs ist besiegt — aber meine Füße gehören mir nicht mehr"
Die Chemotherapie ist überstanden. Die Befunde sind gut, die Ärzte zufrieden. Eigentlich müsste jetzt das Leben zurückkommen. Doch da ist dieses Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühl in den Füßen und Händen, das einfach nicht weggeht. Beim Gehen fühlen sich die Sohlen an wie in Watte gepackt. Knöpfe, Reißverschlüsse, das Glas in der Hand — auf einmal nicht mehr selbstverständlich. Nachts brennen die Füße so, dass an Schlaf kaum zu denken ist.
Und in der onkologischen Nachsorge fällt oft derselbe Satz: "Das ist die Polyneuropathie von der Chemo. Das kann sich noch geben — abwarten."
Für viele Menschen ist genau das der schwerste Teil. Der Krebs wurde mit aller Kraft bekämpft. Aber für das, was danach übrig bleibt, scheint es keinen Plan und keine Zuständigkeit mehr zu geben.
Das muss nicht so bleiben. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) — und zunehmend auch nach internationaler Studienlage — ist die chemotherapie-induzierte Polyneuropathie kein Zustand, dem man nur zusehen kann. Dieser Beitrag erklärt, warum.
Was ist eine chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN)?
CIPN steht für Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy — eine Schädigung der peripheren Nerven durch bestimmte Chemotherapeutika. Sie gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Krebstherapie: In den ersten Monaten nach Behandlungsbeginn sind je nach Studie 60–70 % der Patientinnen und Patienten betroffen.
Besonders häufig ausgelöst wird sie durch:
Taxane (Paclitaxel, Docetaxel) — typisch bei Brustkrebs
Platinverbindungen (Oxaliplatin, Cisplatin) — typisch bei Darmkrebs, oft mit Kälte-Überempfindlichkeit
Vinca-Alkaloide (Vincristin)
Bortezomib und Thalidomid — bei multiplem Myelom
Die Beschwerden beginnen meist symmetrisch an den Zehen und Fingerspitzen und wandern langsam nach oben — das klassische "Strumpf-und-Handschuh-Muster". Typisch sind:
Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheit
Brennen oder einschießende, stechende Schmerzen
Ein "Wattegefühl" unter den Füßen, Unsicherheit beim Gehen
Verminderte Feinmotorik der Hände
Überempfindlichkeit gegenüber Berührung oder Kälte
Warum die Schulmedizin hier oft an Grenzen stößt
Das ist kein Vorwurf an die Onkologie — sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. Für die etablierte CIPN gibt es bis heute kein Medikament, das die geschädigten Nerven zuverlässig reparieren würde.
Die internationale Fachgesellschaft ASCO empfiehlt für schmerzhafte CIPN im Wesentlichen einen Wirkstoff mit moderater Evidenz: Duloxetin. Er kann die Schmerzen bei einem Teil der Betroffenen lindern — heilt die Nervenschädigung aber nicht. Häufig verordnet werden außerdem Pregabalin (Lyrica), Gabapentin oder Amitriptylin. Diese Mittel dämpfen das Schmerzsignal, bringen aber bei vielen Patienten genau die Nebenwirkungen mit, die nach einer Chemotherapie besonders schwer wiegen:
Benommenheit, "Nebel im Kopf", Müdigkeit
Schwindel und Sturzgefahr
Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
So entsteht für viele ein Dilemma: Das Taubheitsgefühl bleibt — und obendrauf kommen die Nebenwirkungen der Schmerzmittel. Wer hier nach einem Weg sucht, der an den Nerven selbst ansetzt statt nur das Signal zu dämpfen, landet früher oder später bei der Frage nach Alternativen.
Wenn Sie überlegen, Pregabalin oder Gabapentin zu reduzieren oder abzusetzen, tun Sie das bitte nie abrupt und nie ohne ärztliche Begleitung — diese Medikamente müssen langsam ausgeschlichen werden. Eine begleitende TCM-Behandlung kann diesen Weg unterstützen.
Der unterschätzte Faktor: das Zeitfenster der Nervenregeneration
Hier liegt eine Nachricht, die vielen Mut macht: Periphere Nerven können sich regenerieren — aber sie tun es langsam. Ein peripherer Nerv wächst nur rund 1 mm pro Tag. Von der Wade bis zur Fußspitze sind das viele Monate Arbeit für den Körper.
Genau das erklärt zwei Dinge. Erstens, warum "Abwarten" sich für Betroffene so quälend anfühlt — Fortschritte sind kaum von Tag zu Tag spürbar. Und zweitens, warum es sich lohnt, den Körper in dieser Phase aktiv zu unterstützen, statt das Zeitfenster ungenutzt verstreichen zu lassen.
Aus Sicht der TCM geht es in dieser Phase nicht darum, ein Symptom zu betäuben, sondern die Durchblutung, die Versorgung und das Regenerationsmilieu der Nerven zu verbessern — also dem Körper bessere Bedingungen für die eigene Reparatur zu schaffen.

Wie die TCM die Polyneuropathie nach Chemo betrachtet
In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Taubheit, Kribbeln und Schwäche der Gliedmaßen seit Jahrhunderten beschrieben — unter Begriffen wie Bì-Syndrom (痺證, "Blockade") und Wěi-Syndrom (痿證, "Schwäche").
Eine intensive Chemotherapie wirkt aus TCM-Sicht wie ein starker innerer Eingriff, der Qi, Blut und die Nieren-Essenz (腎精) erschöpft. Wenn Qi und Blut die Körperspitzen nicht mehr ausreichend erreichen, "verhungern" die Nerven an den Füßen und Händen — Taubheit und Kribbeln sind die Folge.
In der Praxis sehen wir bei CIPN besonders häufig diese Muster:
Qi- und Blut-Mangel (氣血兩虛) — Taubheit, Kraftlosigkeit, blasse Haut, Erschöpfung nach der Chemo
Blut-Stase (血瘀) — gestörte Mikrozirkulation, brennende oder stechende, ortsfeste Schmerzen
Nieren-Yang-Schwäche (腎陽虛) — kalte Füße, Verschlimmerung durch Kälte (typisch bei Oxaliplatin)
Leere-Hitze bei Yin-Mangel (陰虛) — nächtliches Brennen der Fußsohlen, Unruhe, Schlafstörungen
Feuchtigkeit, die die Leitbahnen blockiert (痰濕阻絡) — das schwere "Wattegefühl" unter den Füßen
Welches Muster bei Ihnen im Vordergrund steht, lässt sich nicht pauschal sagen — es wird in der Erstanamnese mittels Pulsdiagnose nach KMD Yun und Zungendiagnostik bestimmt. Erst daraus ergibt sich die individuelle Behandlung — keine Standardrezeptur, kein Schema F.
Was die aktuelle Forschung zeigt
Die Akupunktur ist bei der Polyneuropathie nach Chemo einer der wenigen komplementären Ansätze, für den inzwischen eine belastbare Studienlage existiert. Wir stellen sie hier bewusst auch mit ihren Grenzen dar.
Meta-Analyse 2024 — 21 Studien, 2.121 Patienten
Eine umfangreiche systematische Übersichtsarbeit (Li et al., Frontiers in Neurology, 2024) wertete 21 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2.121 Patienten aus. Ergebnis: Akupunktur konnte die Intensität der neuropathischen Schmerzen signifikant senken (SMD −0,66) und verbesserte zusätzlich messbare Nervenleitgeschwindigkeiten (motorisch im Nervus medianus, sensibel im Nervus tibialis und peroneus) sowie die Lebensqualität — bei guter Verträglichkeit.
Bemerkenswert ist der Hinweis auf die Nervenleitgeschwindigkeit: Hier deutet sich an, dass Akupunktur nicht nur das Schmerzempfinden beeinflusst, sondern auch eine objektiv messbare Nervenfunktion.


Netzwerk-Meta-Analyse 2024 — 33 Studien, 2.027 Patienten
Eine Netzwerk-Meta-Analyse (BMC Complementary Medicine and Therapies, 2024) mit 33 Studien bestätigte, dass akupunkturbasierte Verfahren CIPN-Symptome und Lebensqualität verbessern können, und verglich verschiedene Techniken (manuelle Akupunktur, Elektroakupunktur) miteinander.
Brustkrebs-Meta-Analyse 2026 — Schwerpunkt Taxane
Eine aktuelle Meta-Analyse (Huang et al., Frontiers in Neurology, 2026) mit 10 RCTs und 653 Brustkrebs-Patientinnen fand einen klaren Nutzen der Akupunktur — besonders ausgeprägt bei Taxan-induzierter CIPN (Paclitaxel, Docetaxel).
Wie wir in der Naturheilpraxis Doson bei CIPN arbeiten
Schritt 1 — Wir hören Ihnen wirklich zu (Erstanamnese, ca. 30–60 Min.)
Die meisten Patienten kommen mit einem Ordner: Onkologie-Briefe, Chemo-Protokoll, neurologische Befunde, aktuelle Medikamente. Wir lesen alles. Aber wir hören vor allem Ihnen zu — wann es kribbelt, was es schlimmer macht, wie sehr es den Schlaf und den Alltag belastet.
Wir besprechen:
Welches Chemotherapeutikum eingesetzt wurde (Taxane, Platin, Vinca-Alkaloide …) und wie der zeitliche Verlauf ist
Ihre genaue Symptomatik und Ihre aktuelle Schmerzmedikation
Ihre TCM-Konstitution mittels Pulsdiagnose nach KMD Yun und Zungendiagnostik
Begleitfaktoren wie Schlaf, Erschöpfung (Fatigue), Verdauung und Stress
Schritt 2 — Individuelle Behandlung über mehrere Monate
Weil Nerven nur langsam regenerieren, planen wir die Behandlung realistisch über mehrere Monate — typischerweise mit anfangs 2–3 Akupunktursitzungen pro Woche. Wir arbeiten an:
Verbesserung der Mikrozirkulation in Händen und Füßen durch gezielte Akupunktur, oft als Elektroakupunktur, die in mehreren Studien geprüft wurde
Aufbau von Qi und Blut sowie Stärkung der Nieren-Essenz mit individuell zusammengestellter chinesischer Kräutermedizin
Lösen von Blut-Stase und Feuchtigkeit, um die "blockierten Leitbahnen" wieder durchgängig zu machen
Begleitung beim Ausschleichen von Pregabalin/Gabapentin — in Abstimmung mit Ihren behandelnden Ärzten, nie im Alleingang
Unterstützung bei Schlaf, Fatigue und der allgemeinen Erholung nach der Krebstherapie
Schritt 3 — Verlauf beobachten und anpassen
Wir dokumentieren Ihre Beschwerden im Verlauf (z. B. Schmerz- und Taubheitsintensität, Schlaf, Gehsicherheit) und passen die Therapie regelmäßig an die TCM-Diagnostik an. Geduld gehört dazu — aber viele Patienten berichten über die Wochen von weniger Brennen, ruhigeren Nächten und mehr Gefühl unter den Füßen.

Für wen ist diese Behandlung das Richtige?
Sie sind bei uns richtig, wenn:
Bei Ihnen nach einer Chemotherapie eine Polyneuropathie (CIPN) aufgetreten ist
Sie Kribbeln, Brennen oder Taubheit in Füßen oder Händen haben, das nicht weggeht
Ihnen gesagt wurde, man könne "nur abwarten"
Sie Pregabalin, Gabapentin oder Duloxetin nehmen und die Nebenwirkungen Sie belasten
Sie diese Medikamente ärztlich begleitet reduzieren möchten
Sie aktiv etwas für die Erholung Ihrer Nerven tun wollen, statt das Regenerationsfenster verstreichen zu lassen
Auch bei anderen Formen der Polyneuropathie — etwa diabetischer Polyneuropathie oder einer Polyneuropathie unklarer Ursache (idiopathisch) — verfolgen wir denselben Ansatz: die Durchblutung und Versorgung der Nerven verbessern, statt nur das Schmerzsignal zu dämpfen. Sprechen Sie uns gern darauf an.
Häufig gestellte Fragen
Kann Akupunktur die Nervenschäden nach der Chemo wirklich rückgängig machen?
Eine ehrliche Antwort: Eine vollständige Heilung lässt sich nicht versprechen, und das Ergebnis ist individuell verschieden. Die Studienlage zeigt aber, dass Akupunktur Schmerzen und Symptome lindern, die Lebensqualität verbessern und teils messbar die Nervenleitgeschwindigkeit positiv beeinflussen kann. Das Ziel ist, dem Körper die Eigenregeneration zu erleichtern.
Wie lange dauert die Behandlung, bis ich etwas merke?
Da Nerven nur etwa 1 mm pro Tag regenerieren, ist Geduld nötig. Manche Patienten spüren erste Veränderungen (ruhigere Nächte, weniger Brennen) schon nach einigen Wochen, der Aufbau der Nervenfunktion braucht jedoch in der Regel mehrere Monate.
Kann ich gleichzeitig meine Medikamente weiternehmen?
Ja. Die TCM-Behandlung ist als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz. Ein Absetzen oder Reduzieren von Pregabalin, Gabapentin oder Duloxetin sollte immer schrittweise und in Absprache mit Ihren Ärzten erfolgen — wir begleiten diesen Prozess gern.
Ist Akupunktur während oder nach einer Krebstherapie sicher?
Akupunktur gilt in geübten Händen als sehr sicher und wird in der integrativen Onkologie zunehmend eingesetzt. Wir stimmen Zeitpunkt und Vorgehen individuell auf Ihre Situation ab (z. B. bei niedrigen Blutwerten oder Lymphödem-Risiko).
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?
Als Naturheilpraxis rechnen wir nach der Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH) ab. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht — private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen bezuschussen jedoch häufig einen Teil.
Was unterscheidet die Praxis Doson von anderen Praxen?
KMD Kukhyun Yun studierte sechs Jahre lang Koreanische und Traditionell Chinesische Medizin an der Dongguk-Universität in Südkorea — eine der wenigen Hochschulen weltweit, an denen TCM auf akademischem Niveau wie ein Medizinstudium gelehrt wird. Unser Schwerpunkt liegt auf chronischen und therapieresistenten Beschwerden, bei denen andere "austherapiert" sagen — mit ausführlicher Anamnese und ausreichend Zeit.
Termin vereinbaren
Naturheilpraxis Doson — KMD Kukhyun Yun Holzweg-Passage 2A, 61440 Oberursel (20 Min. von Frankfurt, erreichbar aus Bad Homburg, Kronberg, Königstein und dem gesamten Rhein-Main-Gebiet)
Telefon: 06171 9784412 E-Mail: info@praxis-doson.de
Weiterführende Informationen:
LITERATUR
Li L, Huang Y, An C, et al. Acupuncture in the treatment of chemotherapy-induced peripheral neuropathy: a meta-analysis and data mining. Frontiers in Neurology. 2024; 15: 1442841.
Acupuncture-related interventions improve chemotherapy-induced peripheral neuropathy: a systematic review and network meta-analysis. BMC Complementary Medicine and Therapies. 2024; 24: 304.
Huang B, Zhou M, Song S, et al. Efficacy and safety of acupuncture in the treatment of chemotherapy-induced peripheral neuropathy in breast cancer patients: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Neurology. 2026; 16: 1690446.
Xu Z, Wang X, Wu Y, et al. The effectiveness and safety of acupuncture for chemotherapy-induced peripheral neuropathy: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Neurology. 2022; 13: 963358.
Bao T, Patil S, Chen C, et al. Effect of acupuncture vs sham procedure on chemotherapy-induced peripheral neuropathy symptoms: a randomized clinical trial. JAMA Network Open. 2020; 3(3): e200681.
Xu J, Zhang Q, Xue N, et al. The therapeutic effect of acupuncture in the treatment of chemotherapy-induced peripheral neuropathy: a randomized controlled trial. Frontiers in Oncology. 2025; 15: 1500410.
Loprinzi CL, Lacchetti C, Bleeker J, et al. Prevention and Management of Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy in Survivors of Adult Cancers: ASCO Guideline Update. Journal of Clinical Oncology. 2020; 38(28): 3325–3348.
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