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Interstitielle Zystitis und chronisch gereizte Blase: Wenn Beschwerden bleiben, obwohl keine Bakterien nachweisbar sind

  • Autorenbild: KMD Yun
    KMD Yun
  • 19. Apr. 2020
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Mai

Frau im Schlafzimmer hält sich den Unterbauch — typische Beschwerden bei interstitieller Zystitis und chronisch gereizter Blase

Es gibt einen Moment, den viele Betroffene gut kennen: Man sitzt erneut beim Arzt, hat seit Wochen oder Monaten Brennen beim Wasserlassen, ständigen Harndrang oder ein dumpfes Druckgefühl im Unterbauch – und dann kommt der Satz: „Im Urin ist nichts Auffälliges."

Auf dem Papier ist alles in Ordnung. Im Körper aber nicht.

Genau diese Diskrepanz ist für viele Patientinnen besonders belastend. Die Beschwerden sind real, spürbar, oft auch im Alltag einschränkend. Doch ohne klaren bakteriellen Befund fehlt häufig eine schlüssige Erklärung – und damit auch ein klarer Behandlungsweg. Manche Frauen berichten, dass sie nach Jahren wiederkehrender Blasenbeschwerden das Gefühl haben, mit ihrem Körper „nicht mehr ernst genommen" zu werden.

In solchen Fällen kann es sich um eine chronisch gereizte Blase, eine Reizblase oder eine interstitielle Zystitis (IC) / Bladder Pain Syndrome (BPS) handeln. Dieser Beitrag erklärt, warum solche Beschwerden entstehen können, worin sie sich von einer klassischen bakteriellen Blasenentzündung unterscheiden – und wie wir solche chronischen Verläufe aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) einordnen. TCM-Behandlung bei chronischer Blasenentzündung und Reizblase

Was ist der Unterschied zwischen bakterieller Blasenentzündung und interstitieller Zystitis?

Eine akute bakterielle Blasenentzündung ist meist klar: Bakterien (häufig E. coli) gelangen in die Harnblase, der Urinbefund ist auffällig, Antibiotika wirken in der Regel zuverlässig, und die Beschwerden klingen nach wenigen Tagen ab.

Die interstitielle Zystitis (IC) – heute oft als Teil des Bladder Pain Syndrome (BPS) verstanden – ist eine andere Geschichte. Sie ist eine chronische, nicht-bakterielle Erkrankung der Blasenwand, bei der die Beschwerden über Monate oder Jahre anhalten können. Charakteristisch sind:

  • Schmerzen oder Druckgefühl in der Blase oder im Unterbauch

  • häufiger Harndrang, oft auch nachts (Nykturie)

  • Brennen beim Wasserlassen ohne nachweisbare Erreger

  • Beschwerden, die sich durch bestimmte Speisen, Stress oder Kälte verschlimmern

Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem eine gestörte Schutzschicht der Blasenschleimhaut (GAG-Schicht), eine erhöhte Reizleitung der Nerven im Beckenbereich, immunologische Faktoren und Veränderungen im vegetativen Nervensystem.

Mit anderen Worten: Es geht nicht mehr um Erreger, sondern um eine dauerhaft gereizte, übersensibilisierte Blase.

Typische Beschwerden – kennen Sie das?

Viele Patientinnen in unserer Praxis schildern ein erstaunlich ähnliches Bild:

  • ständiges Gefühl, „gleich wieder zur Toilette zu müssen"

  • Brennen, obwohl der Urintest negativ ist

  • Druck im Unterbauch, der nach dem Wasserlassen kurz nachlässt – und schnell wieder kommt

  • Schmerzen, die mit dem Zyklus, mit Stress oder mit Kälte schwanken

  • Verschlechterung durch Kaffee, Säfte, scharfe Speisen, Alkohol

  • wiederkehrende Beschwerden trotz mehrerer Antibiotika-Therapien

  • das Gefühl, „nie wirklich geheilt" zu sein

Wenn Sie sich in mehreren dieser Punkte wiedererkennen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihre Beschwerden kein einfacher Infekt mehr sind – sondern Ausdruck einer chronisch gereizten Blase.

Warum Antibiotika hier oft nicht weiterhelfen

Antibiotika sind ein wichtiges Werkzeug – aber sie zielen auf Bakterien. Wenn keine Bakterien (mehr) vorhanden sind oder nie der eigentliche Auslöser waren, können sie das Grundproblem nicht lösen.

Bei wiederholter Gabe kann zusätzlich die Darm- und Schleimhautflora belastet werden, was das innere Gleichgewicht weiter stört. Viele Patientinnen erzählen, dass sie nach der dritten oder vierten Antibiotika-Runde kurzfristig besser, langfristig aber empfindlicher geworden sind.

Das ist kein Vorwurf an die Schulmedizin – eine sorgfältige urologische Abklärung ist und bleibt der erste wichtige Schritt. Aber wenn diese Abklärung „nichts findet" und die Beschwerden trotzdem bleiben, lohnt es sich, den Blick zu erweitern: auf die Reizlage der Blase, die Schleimhautregeneration, die Durchblutung im Beckenbereich und das vegetative Nervensystem.

Genau hier beginnt die Perspektive der TCM. Telefon: 06171 978 44 12 · Kontaktformular

Wie die TCM eine chronisch gereizte Blase einordnet

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Blase nicht als isoliertes Organ betrachtet, sondern als Teil eines größeren Regulationssystems. Bei chronischen, nicht-bakteriellen Blasenbeschwerden interessieren uns vor allem mehrere Muster, die in der Praxis besonders häufig vorkommen:

Innere Kälte und schwache Beckendurchblutung. Viele Betroffene berichten, dass ihre Beschwerden sich bei Kälte, im Winter oder nach kalten Getränken verschlechtern. In der TCM-Sprache spricht man hier von „Kälte im unteren Erwärmer" – einer reduzierten Wärme- und Durchblutungssituation im Beckenbereich.

Leere-Hitze und gereizte Schleimhaut. Wenn die Blase über lange Zeit immer wieder gereizt wird, entsteht aus TCM-Sicht eine Art „trockene Reizung" – vergleichbar mit einer Schleimhaut, die nicht mehr ausreichend regenerieren kann.

Leber-Qi-Stagnation durch Stress. Patientinnen berichten oft, dass ihre Beschwerden sich unter Stress, in belastenden Lebensphasen oder nach Schlafmangel deutlich verschlimmern. Das ist kein Zufall – das vegetative Nervensystem reguliert auch die Blase mit.

Schwäche der Nieren-Funktionskreis. In der TCM stehen Nieren und Blase in engem Zusammenhang. Eine geschwächte „Nieren-Energie" zeigt sich häufig bei nächtlichem Harndrang, dauerhafter Erschöpfung und kalten Füßen.

Diese Muster sind keine Diagnosen im schulmedizinischen Sinn, sondern Beschreibungsmodelle, die helfen, individuelle Therapiestrategien abzuleiten. In der Praxis werden meist mehrere dieser Muster gemischt – und genau das macht eine individuelle Behandlung notwendig.

Was sagen Studien zur Akupunktur bei interstitieller Zystitis?

Die Studienlage zu Akupunktur und interstitieller Zystitis ist noch begrenzt, aber wachsend. Zwei Arbeiten sind besonders erwähnenswert:

Sonmez & Kamacı (2017) untersuchten in einer klinischen Studie Patientinnen mit interstitieller Zystitis / Bladder Pain Syndrome. Die Teilnehmerinnen erhielten über mehrere Wochen Akupunkturbehandlungen, und die Beschwerden wurden anhand etablierter Indizes (u. a. O'Leary-Sant Symptom Index, Pain Visual Analog Scale) gemessen. Die Studie zeigte deutliche Verbesserungen bei Schmerzen, Harndrang und Lebensqualität. Die Autoren werteten Akupunktur daher als vielversprechende Option in der ergänzenden Behandlung. (Sonmez MG, Kamacı D. Acupuncture treatment in interstitial cystitis/bladder pain syndrome, 2017.)

Studienergebnisse Sönmez & Kozanhan 2017 — Akupunktur bei refraktärer interstitieller Zystitis mit deutlicher Reduktion von VAS-Schmerzscore, ICSI und ICPI nach drei Monaten | Naturheilpraxis Doson Frankfurt Oberursel


Eine systematische Übersichtsarbeit von Pang et al. (2022) im Bereich überaktive Blase (Overactive Bladder, OAB) – ein verwandtes Beschwerdebild – fasste mehrere randomisierte kontrollierte Studien zusammen und kam zu dem Schluss, dass Akupunktur bei vielen Patientinnen Harndrang, Frequenz und Lebensqualität signifikant verbessern kann, mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil. (Pang R et al., Acupuncture for overactive bladder: a systematic review and meta-analysis, 2022.)

Metaanalyse Lee et al. 2022 — Akupunktur bei überaktiver Blase (OAB) zeigt signifikante OABSS-Reduktion und deutlich seltenere Nebenwirkungen im Vergleich zur medikamentösen Therapie (Frontiers in Neurology) | Naturheilpraxis Doson

Stimmen von Patientinnen aus unserer Praxis Die nachfolgenden Berichte geben persönliche Erfahrungen einzelner Patientinnen wieder; Originalberichte liegen der Praxis vor. Behandlungsverläufe und -ergebnisse können individuell stark variieren und stellen keine allgemein zu erwartenden Ergebnisse dar. „Dr. Yun" bezieht sich auf den in Südkorea erworbenen Abschluss als Doctor of Korean Medicine (Dongguk Univ.). Maßgeblich für die berufliche Qualifikation sind die Angaben im Impressum.

Seit 6 Jahren habe ich regelmäßig mit wiederkehrenden Blasenentzündungen zu kämpfen, die vor allem durch Geschlechtsverkehr und Müdigkeit ausgelöst werden. Ich habe bereits Hausärzte, Urologen, Gynäkologen und sogar einen Akupunkteur aufgesucht, jedoch konnte mir niemand wirklich helfen. Leider wurden mir immer nur Antibiotika verschrieben, bei denen ich das Gefühl hatte, danach noch anfälliger zu sein. Nach eigener Recherche bin ich schließlich in die Praxis von Dr. Yun gekommen. Die Erstbeurteilung war äußerst verständlich und ausführlich, und Dr. Yun erkannte sofort die Ursache meines Problems. Die Behandlung (Akupunktur, Wärmetherapie und individuelle Kräutertherapie), die von Dr. Yun durchgeführt wurde, hat mir sehr gut getan. Die stechenden Schmerzen und der ständige Harndrang sind komplett weg. Die gesamte Praxis ist hervorragend organisiert und die Atmosphäre ist sehr entspannt. Die Damen am Empfang sind großartig und haben dazu beigetragen, dass ich mich in der Praxis Doson sehr gut aufgehoben fühle. Ich kann die Praxis Doson uneingeschränkt weiterempfehlen!"
Ich bin aufgrund einer chronischen Blasenentzündung in die Praxis gekommen. Nach einer ausführlichen Anamnese und Zungendiagnostik hat mir der Doktor einen 3-monatigen Behandlungsplan erstellt, der neben Akupunktur und Kräutermedizin auch eine komplette Nahrungsumstellung (kein Zucker, kein Weizen, keine kalten Nahrungsmittel, kein Alkohol) und Anwendung von Atemtechniken beinhaltete."   

Jede Patientin reagiert individuell, und nicht jeder Verlauf ist gleich – aber wiederkehrend ist die Rückmeldung, dass sich vor allem die Lebensqualität und das Vertrauen in den eigenen Körper zurückgewinnen lässt. Weitere Patientenstimmen

Wann eine TCM-Behandlung sinnvoll sein kann

Eine ergänzende TCM-Behandlung kann besonders dann interessant sein, wenn:

  • Blasenbeschwerden länger als drei Monate bestehen

  • mehrere Antibiotika-Kuren keine dauerhafte Besserung gebracht haben

  • die urologische Abklärung keinen eindeutigen Befund liefert

  • die Beschwerden sich unter Stress, Kälte oder Erschöpfung verschlimmern

  • bereits die Diagnose interstitielle Zystitis oder Reizblase gestellt wurde

  • Sie nicht nur Symptome unterdrücken, sondern die zugrundeliegende Reizlage beruhigen möchten


Fazit: Nicht jede Blasenbeschwerde ist eine klassische Blasenentzündung

Wenn der Urinbefund unauffällig ist, die Beschwerden aber bleiben, hört Ihr Körper nicht auf, etwas mitzuteilen – er spricht nur eine andere Sprache. Die interstitielle Zystitis und die chronisch gereizte Blase sind reale, ernstzunehmende Beschwerdebilder, die nichts mit „Einbildung" zu tun haben.

Die TCM bietet hier eine Perspektive, die weniger auf Erreger und mehr auf Regulation, Schleimhaut, Durchblutung und Nervensystem schaut. Akupunktur, chinesische Kräutermedizin und ergänzende Verfahren wie Wärmebehandlung können in vielen Fällen helfen, die Reizlage zu beruhigen und die Lebensqualität zurückzugewinnen.

Wie wir in der Praxis Doson konkret behandeln

Wenn Sie nicht nur verstehen, sondern auch wissen möchten, wie eine solche Behandlung in unserer Praxis konkret abläuft – mit individueller Diagnostik, Akupunktur, chinesischer Kräutermedizin und Wärmetherapie – finden Sie alle Details auf unserer Schwerpunktseite: TCM-Behandlung bei chronischer Blasenentzündung und Reizblase Naturheilpraxis Doson — KMD Kukhyun Yun Holzweg-Passage 2A 61440 Oberursel (20 Min. von Frankfurt, erreichbar aus Bad Homburg, Kronberg, Königstein und dem gesamten Rhein-Main-Gebiet)

Telefon: 06171 9784412 E-Mail: info@praxis-doson.de Termin anfragen: Kontaktformular — Über KMD Kukhyun Yun

Literatur

  1. Sonmez MG, Kamacı D. Acupuncture treatment in interstitial cystitis / bladder pain syndrome. 2017.

  2. Pang R, Wang X, Liu H, et al. Acupuncture for overactive bladder: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. 2022.



4 Kommentare


celine.mit
12. März 2022

Hallo,


Ich habe eine Frage an Sie.


Ich leide seit mehreren Jahren nun schon an ständigem Harndrang und bin deswegen bei meinem Urologen, allerdings hat keine Therapie (auch Antibiotika) Erfolg gezeigt. Auch meinte mein Arzt, dass urologisch eigentlich alles ausgeschöpft wäre, allerdings würde ich gerne alles versuchen. Ich habe mal gehört, dass man solche Symptome wie häufigen Harndrang mit Akupunktur lindern kann, ich weiß nicht, ob ich da bei Ihnen richtig bin.


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KMD Yun
KMD Yun
18. März 2022
Antwort an

Bei Ihrem Fall sollte man sich nicht mit Antibiotika auf die Entzündungslinderung bzw. Symptomlinderung konzentrieren. Durch langjährige und wiederholte Blasenentzündung, kommt es oft vor, dass man nicht nur entzündungsbedingte Symptome sondern auch funktionelle Probleme im Immunsystem und Nervensystem hat. Dafür sollte eine ganzheitliche bzw. grundlegende TCM-Untersuchung vom Kopf bis zum Fuß durchgeführt werden.

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annika
08. Feb. 2022

Danke für diesen Beitrag. Seit 5 Jahren bin ich förmlich am verzweifeln, habe immer wieder Blasenprobleme. Meine Blasenentzündung wurde zum Teil festgestellt (e. coli) oft ist es aber nichts. Ich hatte schon verschiedene Antibiotika, D Mannose, Vitamine, Ergänzungsmittel etc probiert, die nur kurze Linderung brachten. Ich war auch beim Hausarzt, Urologen, Gynäkologen überall, aber konnte keine Hilfe bekommen. Ich ernähre mich relativ gesund und trinke auch genug. Ich habe fast jeden tag brennende Schmerzen, Harndrang am stück oder über den Tag verteilt. Ich weiß nicht mehr weiter, was ich machen soll und habe Angst es könnte immer schlimmer werden. Können Sie mir bitte sagen, mit welchem zeitlichen Aufwand und mit welchen Kosten ich für Ihre TCM-Therapie rechnen muss?

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KMD Yun
KMD Yun
10. Feb. 2022
Antwort an

Bei einer akuten Blasenentzündung können Antibiotika die Blasenentzündung-Symptome relativ rasch lindern. Wenn es sich aber um eine chronische und hartnäckige Blasenentzündung handelt, die immer wieder mit oder ohne Ursache/Befunde zurückkommt, sind diese Antibiotika meist nutzlos. Die wiederholte und unbedachte Einnahme von Antibiotika können sogar die für den Körperstoffwechsel nützliche Bakterienflora abtöten und das Immunsystem schwächen, was auch zur erneuten Entstehung der Blasenentzündung beiträgt.

Bei der chronischen Blasenentzündung sollte man sich nicht auf die Krankheitserreger, sondern eher aufs Blasenmilieu und Immunsystem. Darüberhinaus ist es anhand einer detaillierten ganzheitlichen TCM-Diagnose wichtig, für einen abgestimmte Lebensweise bzw. Ernährungsweise zu halten. Es gibt in der TCM tatsächlich sehr viele Faktoren, die den Rückfall der Blasenentzündung begünstigen, wie z. B. So-Eum-Konstitution. Es wäre gut, dass…

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